Mein Streifzug durch die Metallmesse Mittelhessen
Es gibt Veranstaltungen, die man Jahr für Jahr besucht, ohne so recht erklären zu können, warum. Bei mir ist die Metallmesse Mittelhessen so ein Termin geworden. Ich bin kein Schmied, kein Werkzeugmacher, kein Industrieller — nur ein neugieriger Mensch mittleren Alters, der das Geräusch von Hämmern auf Amboss seit der Kindheit liebt. Mein Großvater hatte in seiner Werkstatt einen kleinen Schraubstock, an dem er sonntags herumtüftelte, und ich glaube, dieser Geruch nach Eisen und Maschinenöl hat sich tief in meine Erinnerung eingebrannt. Wenn ich jedes Frühjahr zur Messe nach Wetzlar oder Gießen fahre, ist das beinahe eine sentimentale Reise.
Was mich an dieser Messe immer wieder reizt
Die Metallmesse Mittelhessen ist keine dieser glatten, marketinglastigen Großveranstaltungen, wie man sie aus Hannover oder Düsseldorf kennt. Sie ist kleiner, regionaler, und gerade deshalb so ehrlich. Man trifft Familienbetriebe aus dem Lahn-Dill-Kreis, die seit drei oder vier Generationen Präzisionsteile fertigen, daneben junge Leute aus den Berufsschulen mit ihren ersten Schweißarbeiten, und gelegentlich auch ein paar Tüftler, die in ihrer Garage etwas erfunden haben, das eigentlich keiner gebraucht hat — und das genau deshalb charmant ist. Zwischen den Ständen läuft man unweigerlich alten Bekannten in die Arme, und das Gespräch dreht sich schnell um den Stahlpreis, um die Lehrlingssuche oder um die neuesten Maschinen aus Süddeutschland.
Ich habe mir angewöhnt, vor dem Besuch ein wenig zu lesen. Da ich seit meinem Erasmus-Jahr in Lyon recht gut Französisch verstehe, schaue ich gerne in ce magazine tech français, um mich über neue Werkzeugmaschinen, CNC-Entwicklungen oder Robotik-Trends zu informieren. Die Franzosen schreiben über solche Themen oft etwas anders, weniger nüchtern als die deutschen Fachblätter, und das tut mir gut.
Stände, Gerüche, Gespräche
Die Halle riecht, wie sie riechen muss: nach gebranntem Metall, nach Schmieröl, nach Bratwurst vom Vereinsstand. An einem Stand zeigte mir letztes Jahr ein älterer Herr aus Dillenburg eine Drehbank, an der schon sein Vater gearbeitet hatte. Er erzählte vom Strukturwandel, von Aufträgen, die ins Ausland abwanderten, und davon, dass die Region trotzdem noch lebt. Solche Begegnungen sind mir wichtiger als jede Hochglanzbroschüre.
In meiner Mappe habe ich zwischen den Notizen auch einen Ausriss aus bornybuzz.fr stecken, einem Lokalmagazin aus Metz, das ich gelegentlich lese — Lothringen und Mittelhessen sind sich strukturell näher, als man denken würde, beide Regionen mit industrieller Vergangenheit und derselben Frage: Wie weiter? Wer sich für ländlichere Themen interessiert, dem empfehle ich übrigens un magazine français consacré au monde rural, denn die Verbindungen zwischen Landwirtschaft und Metallverarbeitung sind enger, als man meint. Pflüge, Mähwerke, Stallausrüstung — das alles kommt aus Werkstätten, die zur Metallmesse ausstellen.
Was bleibt nach dem Besuch
Ich gehe nie mit leeren Händen nach Hause. Mal ist es ein selbstgeschmiedeter Brieföffner, mal ein altes Werkzeug vom Flohmarktbereich, einmal sogar ein Stück Damaszener Stahl, das ich seither in der Vitrine aufbewahre. Meine Frau, die mehr für Mode und Lebensart übrig hat und gelegentlich einen französischen Blog über solche Dinge liest, schüttelt jedes Mal milde den Kopf, wenn ich mit einem weiteren Eisenstück heimkomme. Aber sie weiß, dass diese Messe für mich mehr ist als ein Ausflug.
Ein paar Gedanken zum Schluss
Was diese Veranstaltung in Mittelhessen so wertvoll macht, ist gerade ihre Bescheidenheit. Hier wird nicht großspurig die Zukunft proklamiert, hier wird gearbeitet, gezeigt, erklärt. Man spürt, dass Metall in dieser Region nicht bloß ein Werkstoff ist, sondern Teil einer Identität. Wer sich für die wirtschaftlichen Hintergründe interessiert, findet in https://lehubagro.fr/ übrigens spannende Texte über die Verzahnung von Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Metallverarbeitung — nicht direkt unser Thema, aber doch verwandt. Ich werde jedenfalls auch nächstes Jahr wieder den Zug Richtung Wetzlar nehmen, mein Notizbuch in der Innentasche, und mich an einen jener Stehtische gesellen, an denen man bei einem Becher Kaffee in dreißig Minuten mehr über die Region erfährt als in einem ganzen Buch.